1. Johannes 2, 1-6

Wenn die Freaks ihre Gemeindeleiter schon als “Oberarsch” bezeichnen, dann kann man laut Johannes ja auch noch etwas weiter gehen. Ein nettes, aufrichtiges Wort auf dem Gemeindeparkplatz oder beim Kelchweiterreichen, um eine stets demütige Haltung zu garantieren.

Dieser Text ist einer zum dran reiben. Und das tue ich auch immer mal wieder. Ein Aufruf zur Perfektion? Falsch verstandener Motivationsversuch?

Vielleicht eher eine Hilfe zur Positionsbestimmung. Kursabweichungen waren damals vermutlich ebensosehr wie heute an der Tagesordnung wie heute. Sie verstörten, verwirrten, verängstigten. Um so hilfreicher ist es dann, einen genaueren Blick auf Jesus und sein Leben zu werfen, Entschuldigungen und Kompromisse zu akzeptieren, aber nicht zum Maß aller Dinge zu machen. Wo es gelingt, dies auf wertschätzende und individuelle Weise zu tun, kann ein authentisches und relevantes Miteinander entstehen.

Ich glaube, das ist es, was der Verfasser des 1. Johannesbriefs meint. Evangelium ist keine Ergötzungshilfe für rechthaberische Klugscheißer und diskussionswütige Pharisäer, sondern konkrete Lebensweise, fast schon Lebensform.

Und seit nunmehr 27 Jahren frage ich mich, wie es wohl wäre, das mal ganz einfach umzusetzen.