Gott, ich kann dich ja nur zu gut verstehen. Es gibt Tage, da denke ich genau dasselbe. Da habe ich diese Endzeitphantasien – herabregnendes Feuer, breiter werdende Erdspalten etc. Da habe ich Atombombensehnsucht und Tsunamilust. Alles weg, alles runter vom Antlitz der Erde, auch und ganz besonders ich selbst.
Du bist ja auch nur ein Mensch, denke ich manchmal, irgendwann muss die Geduld doch am Ende sein, wenn man allwissend ist, all diese dunklen Flecken weiß, an die niemals das Licht der Erkenntnis gelangt. Ich bin voll von ihnen, und die um mich herum ebenfalls. Wir haben es nicht anders verdient. Aber hey, du hast uns geschaffen, wir sind deine Idee, was hast du dir eigentlich dabei gedacht? Konstruktionsfehler oder intelligentes Design? Belustigt es dich, uns so zu sehen? Sind wir deine Beschäftigungstherapie?
Herr, nicht dass wir uns missverstehen. Diese Fragen stelle ich mir und dir mit frommem Herzen. Ich gehe davon aus, dass du es gut meinst, dieser Glaube ist tief in mir verankert. So tief, dass ihn herauszureißen mein Ende wäre. Ich meine es ernst mit dir – um so mehr ergreifen mich diese Fragen, weil ich mein Leben, weil ich das Leben in und mit dir durchdringen, begreifen will. Warum du in der Bibel manchmal so rachsüchtig, fast schon dämonisch rüberkommst, das ist ja erst eine Frage zum Warmwerden. Warum du aber diese Kuddelmuddelwelt und dieses Kuddelmuddelich geschaffen hast, das ist dann schon das richtig heiße Eisen.
Ich verstehe es nicht. Du?
Na ja, dann will ich mal weiter machen. Versuchen, wieder einmal etwas Ordnung in mein Durcheinander namens Leben bringen. Und wieder stille werden vor dir.