Habakuk 2,4-20

Warum nur musste ich beim Lesen an diesen obskuren “Pastor” aus “hab ich schon vergessen” denken, der für einige Tage die Weltöffentlichkeit auf sich aufmerksam gemacht hat? Zur Ruhe wird er nicht mehr finden, soviel ist sicher. Am heutigen 13. September ist sein Name bereits aus den Titelseiten der Nachrichtenmagazine getilgt und niemanden interessiert mehr, was er vor hatte. Allenfalls Erleichterung, dass nichts passiert ist, wird in einigen kirchlichen Medien hochgehalten.

Und nun bleibt für den Urheber des ganzen Schreckens die Aufgabe, mit seiner neuerlichen Bedeutungslosigkeit umzugehen. Was für tabubrechendes Zeug er wohl in der Zukunft auf die Menschheit loslassen will, um noch einmal den Reiz der Aufmerksamkeit zu erleben. Verdammt zu einem Leben in Ruhelosigkeit. Was ich gestern einmal hatte, will ich heute und in Zukunft nicht mehr missen.

So erinnert der Habakuk-Text daran, wie temporär unsere Lebensentwürfe sind, wie ziellos die Suche nach Macht und Anerkennung, nach Prestige und Einfluss ist.

“Der Gerechte wird aus Glauben leben” heißt es da. Und es ist wie ein kleines Gesamtkunstwerk, dass man diesen Versteil behält, während man die übrigen 15 Verse mit seinen flüchtigen Beschreibungen wieder vergisst. Eben nur dieses ist es, was bleibt. Man kann unendlich viel ausprobieren, in unendlichen vielen Dingen sein Heil suchen, aber “Leben” hat mit alledem nichts zu tun. Leben können wir nur durch diese gewagte Zuversicht auf das Unergründliche, durch ein Rechnen mit dem unbeweisbar Übernatürlichen. Und nur dieses Leben lässt uns gerecht sein, und nicht ständig den eigenen Vorteil auf Kosten Anderer suchen.

Mal sehen: Am Sonntag erlebe ich vielleicht den Höhepunkt der Aufmerksamkeit meines pastoralen Dienstes. Viele liebe Leute, geladene Offizielle, Freunde und Verwandte kommen zu meiner “offiziellen” Einführung als Gemeindepastor. Vermutlich werden die Räume kuschelig eng wirken und lange Monate danach nicht mehr so viele Menschen in unserem Gottesdienst auftauchen.

Ab Montag, dem 20. September, ist es meine Herausforderung, mein Handeln nicht an dem guten Gefühl zu messen, dass einmal ganz Viele wegen mir gekommen sind. Dann ist es meine Aufgabe, auch mit den manchmal Wenigen zu leben, zu glauben und andere Ambitionen loszulassen. Nicht dass ich nicht denken könnte, dass Wachstum und Veränderung möglich wäre, aber nicht weil es machbar ist, sondern wenn, dann weil die Sache mit dem Glauben so unendlich teilenswert ist.

“Aber der HERR ist in seinem heiligen Tempel. Es sei vor ihm stille alle Welt!”