Ein schöner Text. Aber auch schaurig. Klingt etwas nach bipolarer Störung (auch bekannt als manisch-depressiv). “Kleider nähen – Kleider zerreißen”?
Einerseits tröstet er, wenn ich der Spannungshaftigkeit des Lebens wenig entgegenzusetzen habe, wenn die Wellen über meinen Kopf schlagen, wenn ich beinahe körperlich spüre, wie es mich zu zerreißen droht. Ob das dann wirklich zu einem tiefempfundenen Trost führt, ist die andere Frage. Aber der Versuch an sich ehrt den ‘Prediger’. Er stellt uns großzügig seine persönlichen, biographisch fundierten Erfahrungen zur Verfügung. Das ist nicht selbstverständlich. So hält er den Depressiven die Hand. Oder denen in schwer erträglichen Situationen.
Andererseits erhebt der Text mahnend den Zeigefinger, wenn wir uns im Überschwang befinden. Wer hoch zielt, kann tief fallen. Das ist sicher keine Missgunst. Manische haben tief in sich bereits wieder die Angst vor dem Rück-Fall ins Bodenlose. Bewusstmachen mag helfen. Vielleicht auch nicht. Aber immerhin – ein Versuch.
Gestern sah ich einen sehr eindrücklichen Kurzfilm über einen depressiven Menschen, der nach jahrelangem Kampf den Weg zurück fand. Die Familie unterstützte ihn. Der Bruder meinte: “Wir waren bei ihm. Wir haben zu ihm gehalten. Nicht ergebnis- oder zielorientiert. Wir waren einfach da. Es hätte auch in der Depression bleiben oder im Suizid enden können. Das haben wir nicht in der Hand. Wir waren einfach da. Liebe, die mitgeht, hat einen Wert an sich, der ganz unabhängig vom Ergebnis ist.”
Diese Worte haben mich sehr berührt. Das wünsche ich mir: Zu akzeptieren, dass im Leben alles seine Zeit hat. Dass alles kommt und geht – letztendlich gibt es nichts Menschliches, das bleiben wird.
Es ist – ob als gut oder schlecht empfunden. Es ist.