Galater 2, 1-10
Petrus und Paulus waren ja scheinbar nicht immer die besten Freunde. Oder, um es im Sinus-Jargon zu sagen: Zwischen ihnen klaffte eine fette Ekelgrenze.
Trotzdem gelingt es ihnen, ein Arrangement zu treffen. Sie müssen nicht ein Herz und eine Seele sein, sie müssen sich auch nicht ständig im selben Raum aufhalten und aus demselben Liederbuch singen. Denn sie haben, Gott sei Dank, jeweils individuelle Aufträge, die sie sich in verschiedene Richtungen orientieren lassen. So kommen sie sich nur hin und wieder einmal ins Gehege – dann fliegen auch schon einmal die Fetzen.
Es gibt jedoch ein verbindendes Element: Die Solidarität für die Armen. Wo auch immer Paulus auftaucht, er sammelt fleißig für die Jerusalemer Unterschicht.
Als Baptist kennt man das – Gemeinden mögen auch noch so unterschiedlich sein, alle miteinander sammeln sie für ihr gemeinsames Sorgenkind, den Bund. Dieser tut ihnen den Gefallen (es kann sich da keinesfalls um einen Zufall handeln), sich alle Jahre wieder finanziell kräftig in die Nesseln zu setzen. Die Erklärung dieses Phänomens ist verblüffend einfach: Ohne das Millionengrab Elstal, ohne überraschende Einzelspendenrückgänge hätte der heterogene Haufen sich längst in alle Winde verstreut. Gemeinsame Aufgaben verbinden Menschen. Dass diese Erkenntnis auf eine so effektive Weise seit Jahren genutzt wird, kann man nur als genial bezeichnen.
So gilt damals wie heute: Über alle theologischen Milieugrenzen hinweg vereint die Sorge um finanziell Insuffiziente diejenigen Lager, die ansonsten wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben und zu tun haben wollen. Und wer weiß – vielleicht ist das eines Tages ja sogar für irgendetwas gut.