Galater 6, 11-18
Paulus ist und bleibt für mich eine faszinierende Person. Welch ein Mix aus Allzumenschlichem und göttlich-genialen Geistesblitzen. Immer wieder eine gute Inspiration, manchmal ein Riesenärgernis.
Welch ein schönes Ziel: Darauf verzichten, vor der Welt eine gute Figur machen zu wollen. Einzig auf das Kreuz stolz sein, sonst auf nichts.
Das ist Abstinenz pur. Und damit etwas, was in Therapie und Supervision unbedingte Voraussetzung ist, um in einen effektiven und heilsamen Prozess eintreten zu könnnen. Eben nicht ständig jedem dahergelaufenen Affekt nachzugehen, sich aufzuregen und zu produzieren. Nicht alles tun, um den eigenen Kopf durchzusetzen, Himmel und Hölle in Bewegung setzen, die eigene Seele verkaufen. Nicht ständig versuchen, seine Situation zu verbessern. Einfach mal Zurückhaltung üben.
Das ist ein schönes Ziel. Aber auch ein schweres. Ständig kommen neue Impulse, Möglichkeiten, Ideen, auf die ich reagieren kann, häufig soll. Lauter Dinge, die mich freuen, ärgern, beschäftigen. Wie bewahre ich mich da davor, mehr zu bleiben als jemand, der nur noch reagiert, den Ball zurückspielt, sich ärgert, nachts wach liegt?
Feste Ziele helfen. Und die habe ich ja. Neue Impulse verändern daran nichts, keinen Deut.
Kein Zufall, das Paulus am Ende Gnade herbeiwünscht. Etwas, wofür ich nichts tun kann – das einfach da ist. Immer.